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Athen
Athen - Anreise

Der internationale Flughafen Eleftherios Venizelos liegt 27 km östlich des Stadtzentrums. Dieser gut eingerichtete Flughafen wurde 2001 eröffnet und erhöhte die Bequemlichkeit der Reise nach Athen und Griechenland wesentlich. Der Flughafen wird halbstündlich von der Metro bedient. Die Fahrt nach Monastiraki dauert 44 Minuten. Der letzte Zug Richtung Flughafen verlässt Monastiraki um 19:21.
Der Athener Flughafen ist ein wichtiges Drehkreuz für die Ägäis, den Balkan und das östliche Mittelmeer. Delta und Olympic Airways bieten Nonstop-Flüge von und nach Nordamerika an, und viele europäische Fluggesellschaften bieten solche Flüge aus Europa an.
Es empfiehlt sich unbedingt, am Flughafen ein kostenloses Exemplar der Athens Public Transport Pocket Map mitzunehmen. Die Karte deckt das Zentrum Athens sowie den Hafenbereich Peiraias ab. Für Glyfada etc. gibt es weitere Karten.
Transfer Flughafen-Zentrum:
Neben dem Taxi, das zwischen 15 und 20 euro kostet, gibt es zwei Möglichkeiten das Athener Zentrum mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Der Bus Nummer 95 führt den Besucher direkt auf den Syntagma-Platz (Kosten: 3,50, Fahrzeit: 1 h). Die U-Bahn ist schneller und bequemer, dafür mit 6 euro aber auch teurer (ab 2 personen gilt man als gruppe und kann tickets für 5 euro erwerben). Die Tickets gelten nur für die Fahrt ins Zentrum, für die weitere Reise dort muss ein neues Ticket gelöst werden (Wochenticket = 10 euro).
Empfehlenswert der neue Zug Proastiakos www.proastiakos.gr
Bahn
Die Anreise per Bahn ist eine ganz besonders schön. Es dauert zwar zwei bis drei Tage, aber man erlebt eine Reise durch den Balkan, die einen für die Dauer der Reise mehr als entschädigt. Wenn man vom Norden kommt, muss man in Thessaloniki umsteigen. Die Fahrt nach Athen dauert im Schnellzug zwischen 6 und 8 Stunden und kostet um die 15 Euro - im InterCity nur 4 bis 5 Stunden gegen Zahlung eines Zuschlages von ca. 20 EUR. Seit Dezember 2008 gibt es auch einen direkten Schlaf-/Liegewagen Sofia (ab 17.05) - Athen (an 6.22). Weitere Informationen zur Anreise mit der Bahn unter www.griechenlandnetz.de
Schiff
Der Hafen von Piräus ist ca. 10 km von der Stadtmitte Athens entfernt und ist mit der U-Bahn und Bussen mit Athen verbunden. Am Hafen von Piräus finden Sie eine Gepäckaufbewahrung, sowie eine Bank, eine Geldwechselstube, Bars, Restaurants, einen Taxistand und vieles mehr. Von Bari und Ancona (Italien), den meisten griechischen Inseln, Kroatien, Istanbul und anderen Hafenstädten aus existieren Linienverbindungen von verschiedenen Anbietern zumindest bis ins griechische Festland. Ein weiterer Hafen ist in Rafina (80 km entfernt). Piräus liegt im Südwesten und ist für die Italienstrecke prädestiniert, Rafina im Osten, von wo es in Richtung Ägäis geht. www.griechenlandinseln.de
Taxi
Da die Taxipreise in der Stadt sehr niedrig sind (Richtwert: Syntagma-Glyfada, d.h. etwa 20 Minuten Fahrt, ca. 10 Euro), sind Versuche von Fahrern, einen "günstigen" Pauschalpreis zu geben, meistens anders gemeint. Man sollte nur auf Taxameter fahren, es sei denn, man kennt sich aus. Auch sollte man an Taxiständen ein Taxi aus der Reihe/dem Pulk nehmen, und nicht daneben/davor stehende, auch wenn sie das erste Taxi in Reichweite wären. Versuche von Taxifahrern gerade im Bereich der Touristenattraktionen, mehr als den doppelten Fahrpreis herauszuschlagen, kommen vor. Sollte zuviel abgerechnet werden, sollte man eine Rechnung verlangen, sich die Fahrernummer notieren und den Vorfall bei der Touristenpolizei 171 melden. Trinkgeld ist kein Muss.
Straßenbahn
Die Straßenbahn (Tram) ist zwar deutlich langsamer als die Metro, hat aber den entscheidenden Vorteil, bis nach Glyfada zu fahren. Dazu mehr im Abschnitt 'Ausgehen'. Die Tram muss man mal benutzen, denn so kann man entspannt viel von Athen sehen. Sie fährt zum Beispiel durch Neos Kosmos ("Neue Welt") und Nea Smyrni ("Neue Izmir"), ein ehem. Einwandererviertel. Gut umsteigen zwischen Tram und Metro kann man z.B. am Syntagma-Platz und an der Fix-Station. Die Tram fährt von Athen aus nach Westen und biegt in Piräus nach Süden ab, wo sich das "Athener Naherholungsgebiet" (Strände, Beach Clubs etc.) befindet. Die Gleise führen entlang der Küster der "Athener Riviera" und bieten einen Wunderbaren Ausblick aufs Meer. Immer mal aussteigen und auch etwas zu Fuss am Stand entlang flanieren ist ein Muss. Endstation ist der Ort Glyfada. Es gibt einen Abschnitt Glyfada-Faliro mit dem Abzweig zum Stadtzentrum am Syntagma Platz. Es gibt 3 Linien, sodass auf allen Ästen ein 7.5 min Takt besteht. Am Wochenende fährt die Straßenbahn 24 Stunden lang.
Bus
In der Stadt verkehren Strombusse und normale Autobusse im schnellen Takt fast überall hin, dafür hält der Bus sehr oft. Ideal für den Stadtbereich. Der Großteil der Busse sind sehr modern und alle sind klimatisiert! Aber man muss die Pläne an den Stationen genau studieren, wenn man bedenkt dass es alleine im städtischen Betrieb in Athen 450 Buslinien gibt. Es gibt selbstverständlich auch Überlandbusse, die die Region Attika bedienen. (KTEL)
Ein Ticket für den Bus kostet ca. 50 Cent . Zum Flughafen gilt ein Sondertarif (3,20 €).
Metro
Anläßlich der Olympischen Spiele 2004 und wegen des immer größer werdenden Autoproblems hat die Stadt Athen ein modernes U-Bahnnetz aufgebaut, das in das S-Bahn-Netz integriert ist. Seitdem ist die Metro das Top-Verkehrsmittel in Athen: Schnell, sauber, sehr schön gestaltet und 2 sprachig! (Griechisch, Englisch). Alle touristisch interessanten Orte und Plätze wie z.B. die Akropolis sind leicht und günstig zu erreichen.
Ein Ticket für die Metro kostet 1 Eur0 (Stand Mai 2009). Zum Flughafen gilt ein Sondertarif (6,00 € einfach / Für zwei Personen oder mit Rückfahrt: 10 €)
Die Metrostationen sind z.T. kleine Museen. Da bei den Tunnelbauarbeiten in so einer geschichtsträchtigen Stadt wie Athen viel zeitgeschichtlich wertvolles Material gefunden wurde, hat man dieses in den Metrostationen ausgestellt (z.B. die Metrostation Syntagma ist einen Besuch wert). Die Metrostationen sind mit ruhiger Loungemusik untermalt, und z.T. vollständig mit weißem Marmor ausgekleidet. Die Metro ist im Moment (01/2006) die Modernste in Europa, und wird es auch noch eine Weile bleiben. Ausbauarbeiten Richtung Hellinikon im Süden (alter Flughafen + Umsteigemöglichkeit zur Tram, 2009 fertig) sowie in den Norden und in den Westen sind im vollen Gange, sodass jährlich mit neuen Eröffnungen zu rechnen ist.
Tagesticket
Ein Tagesticket für den gesamten Nahverkehr kostet ca. 5 Euro, ist aber nicht an allen Verkaufsstellen zu bekommen. Um für 90 min sich ungestört mit allen Verkehrsmitteln (auch der Regionalbahn) bewegen zu können ist das 1 € empfehlenswert (auf der Strecke vom und zum Flughafen und auf der Strecke Athen-Korinth-Kiato mit der Regionalbahn Proastiakos gilt es nicht).
Sehenswürdigkeiten
Für Studenten ist der Eintritt in sämtliche Athener Sehenswürdigkeiten mit gültigem Studentenausweis gratis!
Die Akropolis mit dem Parthenon gehört wahrscheinlich zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Athens. Der Eintritt ist 12 Euro fuer Erwachsene. Fuer Studenten der EU ist er gratis. Auch die berühmten Altstadtviertel der sog. Plaka rund um die Akropolis (Metrostation Monastiraki) sowie die seit den Olympischen Spielen 2004 stark aufgewertete Fußgänger- und Schlemmerzone Psiri zwischen den U-Bahnstationen "Monastiraki" und "Thiseo" sind einen Besuch besonders in den lauen Sommernächten wert.
Einen sehr guten Überblick über die Stadt gibt es von der Georgios-Kapelle auf dem Likavitos-Hügel (nordöstlich des Syntagma-Platzes) aus. Dorthin kommt man am besten, wenn man die Ploutarchou-Straße nach Norden geht und dann die Funicular-Bahn nimmt, die ca. 150m steil bergauf fährt (Hin und zurück 6,00 Euro). Es empfiehlt sich, den Ausblick bei einem Drink im Café zu genießen.
Auf den Likavitos-Hügel gelangt man auch (wesentlich bequemer!) mit dem Taxi (zwischen 3 und 5 Euro aus der Athener Innenstadt), was vor allem für mehrere Besucher eine Kostenersparnis zur Alternative Cabel-Car (6 Euro pro Person) darstellt. Das Reiseziel für den Taxifahrer ist dann "Likavitos-Theatre" (nicht Cable-Car!). Der Fußweg zur Kapelle dauert ca. 2 Minuten.
Weiters ist das Parlament gegenueber der Syntagma - Metro- und Tramstation interessant. Die Wachmaenner, die davor stehen, vollfuehren jede volle Stunde eine Art Parade. Bitte seien Sie pünktlich, die Zeremonie dauert nicht sehr lange.
Mikrolimano ...ein kleiner romantischer Hafen in der Nähe von Piräus gesäumt von zahlreichen Cafes und Restaurants.
Athener Zentralfriedhof ...sehenswerter Friedhof in der Nähe des Olympic-Stadium. Ausschließlich weiße Gräber mit kunstvollen Statuen. Vor allem für Besucher die länger in Athen sind interessant.
Philopappo-Hügel ... der Hügel neben der Akropolis bietet einen ausgezeichneter Ausblick.
Eine gute Route für einen Athen-Sight-Seeing-Tag:
Start bei Touristen-Shops in Monastiraki (Metro-Station Monastiraki), danach Aufstieg auf die Akropolis, Abstieg auf der anderen Seite der Akropolis Richtung Tempel des Zeus und Old-Olympic Stadium. Danach ein kurzer Spaziergang über die Nationalgärten zum Parlament zur Wachablöse-Zeremonie und (wenn noch Energie bleibt) ein Spaziergang durch die Einkaufstraße Ermou (beginnt am Syntagma-Platz neben McDonalds).
Aktivitäten
Open-Air-Cinemas
In Athen gibt es zahlreiche Open-Air-Cinemas. Hauptsächlich englische Filme mit griechischen Untertiteln werden gespielt. Die Vorstellungen finden zwischen 9 und 11 Uhr abends statt.
Einkaufen
Die Geschäfte haben lange (bis 21.00) geöffnet, was einem sehr entgegenkommt, allerdings ist dafür eine Mittagspause zu bedenken, die auch schonmal von halb zwei bis halb vier gehen kann. Außer Restaurants, Grillbuden, Kiosken etc. sind in dieser Zeit fast alle Geschäfte geschlossen. Athen wirkt in der - ziemlich heißen - Mittagszeit auch etwas ausgestorben, denn wer macht seine Besorgungen schon in der prallen Sonne. Jeder Stadtteil hat einmal wöchentlich einen Obst- und Gemüse Markt deren Besuch großen Spaß bereitet.
Plaka
Die Altstadt von Athen, direkt nördlich der Akropolis. Enge Gassen, Krimskrams und Tourishops, scheinbar losgelöst von allen Ladenschlußgesetzen. Cafes und Restaurants säumen die Gassen. Leider gibt es im Umfeld viele Bordelle, zu deren Besuch einen ab und an irgendwelche Leute überreden wollen. Wenn man öfter abends im Zentrum lebt, kennen die entsprechenden Personen einen nach zwei Tagen und sprechen einen nicht mehr an.
Ermou
Die Fußgängerzone mit Markengeschäften. Sie beginnt am unteren Ende des Syntagma-Platzes und reicht nach Westen bis nach Monastiraki. Parallel dazu verläuft die Mitropoleos, quasi 1b Lage.
Kolonaki
Vom Syntagma-Platz aus nach Osten die Vassilissis Sofias-Straße entlang, links/nördlich am Parlamentsgebäude vorbei. Hier beginnt eine sehr schicke Gegend, in der sich auch viele Botschaftsgebäude und Institutionen angesiedelt haben. Nördlich der Sofiastraße liegen viele Boutiquen, Designergeschäfte etc., außerdem kommt man von dort auf den Likavitos-Hügel, von dem aus eine sehr schöne Aussicht zu genießen ist.
Kioske. Früher mit Zigarettenwerbung zugepflastert - seit der Olympiade 2004 nicht mehr - prägen diese hellbraunen Büdchen das Stadtbild. Pro Stadtviertel gibt es mindestens einen, der bis in die Nacht geöffnet hat. Das Sortiment ist äußerst vielseitig.
Bücher. Auf der Einkaufsstrasse zwischen Syntagma und Omonia gibt es ein 6-stöckiges Buchgeschäft mit einem ganzen Stockwerk Reiseliteratur. Sehr empfehlenswert!
Nachtleben
Ausgehen in Athen macht Spaß! Es ist lange warm, die Südeuropäer haben Spaß am Feiern und die Clubszene ist vielfältig. So ist Athen eine der lebendigsten Städte (oder gar die Lebendigste). Es ist erstaunlich, wie viele Athener man zu jeder Tages- und Nachtzeit auf den Straßen sieht.

Unser Tip fuer die Plaka:
Die traditionelle Taverne "Scholarxio" - Ouzeri Kouklis - verwoehnt ihre Gaeste seit 1935 (Fotos oben und unten). Die Platte mit 5 Mezes kostet ab Euro 20,-. Familienbetrieb mit gepflegter traditioneller Kueche. Schoene Sitzplaetze in der ersten Etage auf dem kleinen Balkon !
SCHOLARXEIO - Ouzeri Kouklis - Tripodon 16 - Tel: 210 - 324 7605 www.scholarhio.gr .
Psirri heißt das Viertel, in dem sich das neue Nachtleben abspielt. Es ist am besten über die Metrohaltestelle Monastiraki zu erreichen, alternativ kann man auch von schönen Syntagma-Platz westlich durch die Fußgängerzone Ermou gehen. Man gelangt dann automatisch zur o.g. Metrostation. Hauptsächlich interessant ist der Bereich unmittelbar südlich von Monastiraki bzw. die Strecke zwischen Monastiraki und Thiseio weiter westlich sowie Plateia Iroon nörlich von Monastiraki und die Straße Aioloy nordöstlich von Monastiraki. Etwas außerhalb gibt es auch typische Großraumdiscos, die allerdings in ganz Europa ähnlich sind. In Psirri finden sich Lounge-Bars, Restaurants, Musiktavernen und vieles mehr.
Das "junge" Nachtleben spielt sich vor allem in den unzähligen Clubs und Bars in Glyfada (Tram-Haltestelle Paralia Glyfadas, fast eine Stunde Fahrt mit der Tram nach Süden von Syntagma aus) ab.
Sollte in Restaurants das Trinkgeld nicht bereits in der Rechnung eingeschlossen sein, sind 10% Trinkgeld üblich, ansonsten wird einfach aufgerundet. Man kann das Geld sowohl einfach hinterlassen als auch ggf. direkt bei der Bedienung bezahlen.
Sicherheit
Die enge Verbundenheit der Athener mit ihrem Viertel (eigentlich müßte es sub-Viertel heißen, denn es gibt Dutzende) hat bisher die Entstehung von Slums (siehe Einwohnerzahl im Infokasten!) verhindert. Man kennt sich, grüßt sich und wechselt ein paar Worte. So bleiben die "Viertel" zwar klein, aber dafür nicht anonym. Viele Athener leben tatsächlich ein Leben lang in Ihrem Viertel, und sind so ein fester Teil des Lebens dort.
Man kann bedenkenlos nachts durch die Straßen schlendern.
Da das Leben hier eh bis spät in die Nacht geht, sind bestimmte Stellen nie leer. Wenn man also nachts mal den Faden verloren hat, ist es ratsam, sich zum Syntagma durchzufragen - oder eines der preiswerten Taxi zu nehmen - und von da aus weiter zu ziehen.
Die Gegend zwischen Omoniaplatz (der eigentlich ein Großer Kreisverkehr ist) und Bahnhof hat nicht den besten Ruf, aber das hat auch den Grund, dass diese Ecke nicht wirklich schön ist (im Vergleich zu vielen anderen Stellen in der Stadt). Aber auch die klassischen Bahnhofsklischees wie Drogenhandel und Taschendiebstahl, die es auch im sonst so friedlichen Athen gibt, tragen zum Ruf bei.
Die Metro - in vielen Städten ein nicht gerade sicherer Ort - ist aufgrund ihres recht jungen Alters auch unter Sicherheitsaspekten geplant worden. Man kann sagen, es ist geglückt. Die Kameraüberwachung und die helle, übersichtliche Gestaltung lassen kein Gefühl von Unwohlsein aufkommen. Außerdem wird die Metro nachts abgeschlossen, was Obdachlose - die es sowieso kaum gibt - fernhält.
Gesund bleiben
Es ist schwerer, in Athen krank zu werden, als gesund zu bleiben! Das chlorierte Leitungswasser hat Trinkwasserqualität, auch wenn die Färbung das nicht immer vermuten lässt. Es gibt ausreichend Ärzte aller Fachrichtungen. Auch Krankenhäuser sind, wie man es von einer europäischen Hauptstadt erwartet, in genügender Anzahl vorhanden. Die Apotheken wirken - insbesondere abseits des Zentrums - manchmal etwas heruntergekommen, aber Apotheker verdienen nicht annähernd so viel wie in Deutschland. Da es aber einen ähnlichen Medikamentenlieferdienst gibt, sind eigentlich alle Arzneimittel in sehr kurzer Zeit verfügbar. Falls ein Medikament nicht unter dem selben Markennamen vertrieben wird, gibt es auf jeden Fall eine Alternative mit anderem Namen. Die Medikamente sind sehr preiswert, so dass es sich lohnt Standardmedikamente wie Aspirin o.ä. "auf Vorrat" zu kaufen.
Die Selbstverständlichkeit der Gegensätze
Athen - eine Beschreibung wider seine Verächter
Von Demosthenes Kourtovik
Es gibt wohl keine andere europäische Metropole, die einen so schlechten Ruf wie Athen hat. Das iostefes asty der Antike, die mit Veilchen bekränzte Stadt, soll heutzutage hässlich, amorph, chaotisch, verschmutzt sein, eine «Betonwüste», wie auch die Athener in Selbstmitleid betonen. - Alles wahr. Und trotzdem nur die halbe Wahrheit. Denn Athen ist auch eine betörend bunte und lebendige Stadt, unerschöpflich an Überraschungen (nicht nur für Besucher), voller extremer Gegensätze, deren an Selbstverständlichkeit grenzende Koexistenz zum Staunen Anlass gibt.
Nehmen wir zum Beispiel die Euripides-Strasse im Stadtkern. Eine Strasse, die ihres Namens zu spotten scheint. Oder vielleicht nicht? War der grosse Tragiker nicht der Erste, der die Trennlinie zwischen hohen und niederen, rationalen und irrationalen Aspekten menschlichen Verhaltens unscharf gemacht, ja verwischt hat? Hier, auf einer Länge von knapp hundertfünfzig Metern, drängen sich orientalisch anmutende und duftende Gewürzläden, wunderschöne, wenn auch verfallende klassizistische Bauten, billige Bordelle und Stundenhotels, hinzu kommt eine der beliebtesten Tavernen alteingesessener Athener (über den Köpfen der Gäste zwitschern Vögel in Volieren), ein sehr renommierter Verlag. Und der Gipfel: Neben der roten Glühbirne eines Freudenhauses findet sich das blaue Neonkreuz einer bescheidenen alten Kirche, deren sonderbarer Name, «St. Johannes der Säule», dem Betrachter sofort einleuchtet, denn mitten aus dem Dach ragt eine vorchristliche korinthische Säule.
TIEFERE KONTINUITÄT
Letzteres verdeutlicht, wie sich alles in dieser Stadt im Lauf der Geschichte verflochten hat: ohne Plan, aber auch ohne weltanschauliche oder moralische Vorurteile. Die Christen störten sich nicht am heidnischen Tempel, sie machten sogar einen seiner Teile zum augenfälligsten, wenn auch paradoxen Merkmal ihres eigenen Heiligtums. Aber hier wird auch eine tiefere Kontinuität versinnbildlicht, die historischen Zäsuren trotzt. Denn der Ort war in vorchristlicher Zeit die Kultstätte eines gewissen Toxaris, dem die Athener damals Heilkräfte zuschrieben. Und St. Johannes der Säule führte diesen Glauben fort: Bis vor wenigen Jahrzehnten banden kranke Bewohner der Gegend verschiedenfarbige Fäden um die Säule (je nach Art der Krankheit) und wickelten sie dann um ihren Finger, um geheilt zu werden.
Athen war stets eine offene, multiethnische, multikulturelle Gesellschaft, auch in der langen Zwischenzeit, in der es politisch und wirtschaftlich nicht mehr bzw. noch nicht bedeutend war. In den Jahren der osmanischen Herrschaft umfasste seine Bevölkerung fast ebenso viele Albaner wie Griechen, von den Türken nicht zu sprechen. Kurz nach der griechischen Unabhängigkeit von 1830 lebten neben den Einheimischen eine grosse Zahl bayrischer Soldaten und Bürokraten, polnischer Philhellenen, maltesischer Gepäckträger, schwarzer Handwerker (ehemaliger Sklaven der Türken). Dabei war das Städtchen von kaum 14 000 Einwohnern eher ein verelendetes, von Kämpfen halb zerstörtes Dorf, in dem Neuerungen wie der eiserne Ofen oder der Lehnstuhl, Ersterer von einem Preussen, Letzterer von einem britischen Admiral eingeführt, grosse Bewunderung erregten.
«Woher kommst du?» - «Aus Athen.» - «Ja, aber woher kommst du eigentlich?» Dieser Wortwechsel ist sehr üblich unter Griechen. Nur wenige der vier Millionen Menschen, die heute in Athen leben, können ihre Wurzeln in dieser Stadt mehr als zwei Generationen zurückverfolgen. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg und dem kurz darauf folgenden Bürgerkrieg strömten Millionen von Landbewohnern in die Hauptstadt, die bis dahin weniger als 500 000 Einwohner gezählt hatte. Sie bezogen Kellergeschosse in Altbauten oder Appartements auf den unteren Etagen der charakteristischen Betonklötze, die damals entstanden und das heutige Bild der Stadt prägen. Mit der Zeit stiegen sie höher und liessen ihr proletarisches Schattenreich für neue Umsiedler frei, zuerst für Pakistaner, Ägypter und Filipinos, dann, in den neunziger Jahren, für die massenweise ankommenden Einwanderer aus dem ehemaligen Ostblock. Heute ist jeder achte Bewohner Athens Ausländer. Die Albaner, Bulgaren, Polen, Russen Athens haben ihre eigenen Zeitungen und Stammlokale, die Polen sogar ihre eigene Schule.
EIN DORF GEBLIEBEN
In einer Grossstadt, in der die meisten Einwohner über vierzig auf dem Land aufgewachsen sind, ist es nicht verwunderlich, dass urbane Manieren und metropolitanes Raffinement selten anzutreffen sind. Das hat ärgerliche Seiten, andererseits aber sorgt es für eine rührende Unmittelbarkeit und Vertrautheit im Umgang der Athener miteinander. In vieler Hinsicht ist Athen ein Dorf geblieben. Ganze Stadtteile haben den Charakter der Nachbarschaft behalten. Im Sommer, wenn es dunkel wird, sitzen die Leute auf ihren Balkons und unterhalten sich laut mit ihren Nachbarn über die Strasse hinweg bis tief in die Nacht hinein. Und es gibt - vielleicht einzigartig in Europa - im Herzen der Stadt ein Viertel, das, eingekeilt zwischen der Akropolis und dem Getümmel der kosmopolitischen Plaka, geradezu eine ländliche Idylle darstellt: enge Gässchen, weiss getünchte Häuser mit blauen oder grünen Türen und Blumengärten. Man fühlt sich plötzlich auf eine Ägäisinsel versetzt. Und tatsächlich wurde dieses Stadtviertel, Anafiotika genannt, im 19. Jahrhundert von Bewohnern der Insel Anafi gegründet, die als Maurer nach Athen kamen, um sich beim Aufbau der neuen Metropole zu verdingen.
Athen schläft nie. Wenn man nachts über die Stadt fliegt, erscheinen die Verkehrsadern wie endlose Trosse forttreibender Leuchtkäfer. Wohin fahren alle diese Autos zu so später Stunde? Zu Freunden und Liebespartnern, denn Verabredungen nach Mitternacht sind gang und gäbe in Athen. An die Strände, die fast rund um die Uhr von Badegästen, Romantikern und Schlemmern aufgesucht werden (hier sind die besten Restaurants, und die Athener essen gern spät). Zu den unzähligen Nachtlokalen, die immer brechend voll sind - allen voran jene Amüsierbetriebe, deren aggressiver Kitsch, pathetische Musik und ausgelassene Stimmung ihnen den Namen skiladika (Hundelokale) eingebracht haben.
Es gibt über hundert Theaterbühnen, über zweihundert Kinosäle in Athen. Letztere erleben eine neue Blüte nach zwei Jahrzehnten vernichtender Konkurrenz durch das Fernsehen. Viele dieser Lichtspielhäuser funktionieren nur im Sommer, das heisst von Mitte Mai bis Ende September, und sind eine echt griechische Tradition. Vor Jahren antwortete ein französischer Besucher auf die Frage, was ihn in Athen am meisten beeindruckt habe: «Die Akropolis und die Freilichtkinos.» Es ist tatsächlich ein Erlebnis, mit Dutzenden anderen in einer Art grossem Garten zu sitzen, dessen Boden meist mit Schotter bestreut ist und dessen niedrige Wände mit Kletterpflanzen bedeckt sind, und einen Film anzusehen, während hinter der Leinwand der Mond aufsteigt. Übrigens laufen die Filme in Griechenland immer in der Originalversion und sind mit Untertiteln versehen. Die Griechen waren empört, als man ausländische Filme synchronisieren wollte. Das zeugt vielleicht von ihrem Sinn für die Einheit menschlicher Ausdrucksmittel: Wort, Mimik und Gestik müssen zusammenpassen.
Wäre der oben erwähnte Franzose heute befragt worden, hätte er wahrscheinlich noch ein drittes Schmuckstück Athens genannt: die voriges Jahr in Betrieb gesetzte U-Bahn. Die Athener, notorische Nörgler, finden wenig Lobenswertes an ihrer Stadt. Aber sie sind stolz auf ihre U-Bahn, die nicht wenige vielgereiste Gäste für die schönste der Welt halten. Zu Recht wird sie als unterirdisches Museum beschrieben. Die jahrelangen Bauarbeiten hatten erwarteterweise auch den Charakter archäologischer Ausgrabungen und brachten eine Fülle kostbarer Funde ans Tageslicht. Die wichtigsten von ihnen werden in den verschiedenen Stationen, vor allem denjenigen der Stadtmitte, ausgestellt. Viele sogar in situ: Der Besucher kann sie an ihrem Fundort sehen, auf riesigen Wänden, die anschauliche Querschnitte durch die Schichten des Athener Bodens darstellen. So gewinnt man ein gutes Bild von der Geologie und der Lebensweise der Athener im Lauf der dreitausendjährigen Existenz dieser Stadt. Die Stationen werden überdies von oft kühnen Skulpturen zeitgenössischer griechischer Künstler geschmückt.
GESCHICHTE IM ALLTAG
Aber obwohl es ihrer nicht weniger als 103 gibt, eignen sich Museen schlecht, wenn man die besondere Wirkung der historischen Vergangenheit auf das heutige Leben Athens begreifen will. Die Akropolis ausgenommen, haben die weltberühmten, für die politische und geistige Geschichte der Menschheit so symbolhaften Altertümer Athens nicht die Mächtigkeit, die der Reisende vielleicht erwartet. Sie sehen eher bescheiden aus und vermischen sich mit dem Alltag der Stadt: die Agora, wo einst Philosophen, Demagogen und Händler um die Gunst des Publikums buhlten; die Pnyx, das erste Parlament der Geschichte; das Dionysos-Theater, wo Aischylos, Sophokles, Euripides, Aristophanes triumphierten; der Keramikos, der Friedhof der glorreichen Stadt. Der Athener von heute trinkt seinen Kaffee neben diesen Orten, durcheilt sie auf dem Weg zur Arbeit, macht dort kleine Picknicks, als wäre das alles etwas Selbstverständliches. Eben deshalb bleiben sie für ihn lebendig.
Der bekannte griechisch-schwedische Schriftsteller Theodor Kallifatides hat einmal bemerkt, dass die Griechen keinen Respekt vor der Geschichte haben, weil sie fühlen, dass sie selbst die Geschichte sind. Genau darum geht es. Aber man darf diese «Respektlosigkeit» nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln. 1822 wurde die türkische Garnison auf der Akropolis von den aufständischen Griechen belagert. Als den Türken die Munition ausging, fingen sie an, die Säulen des Parthenon zu zerstören, um die bleiernen Klammern im Innern für die Herstellung von Kugeln zu benutzen. Daraufhin, so erzählt man, erklärten sich die Belagerer bereit, den Belagerten die fehlende Munition zu liefern, damit das Denkmal geschont wurde. Und der Freischärlerführer Makrijannis, fast ein Analphabet, hinderte unmittelbar nach der Befreiung seine hungernden Männer, antike Kunstgegenstände an Ausländer zu verkaufen, mit den Worten: «Für diese Steine haben wir gekämpft.»
Der Keramikos-Friedhof ist vielleicht die schönste Ecke Athens, vor allem im Frühjahr und im Spätherbst (der in Athen eine grüne Jahreszeit ist!). Die Grabmäler erheben sich aus dem Blumenmeer und dem frischen Gras, die darauf gemeisselten Gestalten trauern anständig, sie sehen eher versonnen als trübsinnig aus. Der sagenumwobene Fluss Heridanus fliesst immer noch durch die Gegend, wenn auch nur noch als Bächlein. Man schreitet andächtig zwischen den Grabstelen und lauscht dem Flüstern der Geschichte, die nirgendwo in Athen so versöhnt mit ihrer Vergänglichkeit erscheint wie hier. Und plötzlich wird die Stille von einem schnellen, anhaltenden, fröhlichen Klappern unterbrochen. Was ist denn los? Man nähert sich neugierig der Stelle, woher dieses seltsame Geräusch kommt, und sieht - zwei Schildkröten, die sich paaren! Man befindet sich in Athen, wo selbst ein Ort wie der Keramikos (der übrigens im Altertum auch der Athener Strich war) mit einer unbändigen Lebenslust verbunden sein kann.
Der griechische Schriftsteller Demosthenes Kourtovik lebt in Athen. Sein jüngster Roman, «Die Nostalgie der Drachen», ist kürzlich in deutscher Übersetzung im Dielmann-Verlag, Frankfurt am Main, erschienen.
* 2009 *
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